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28. Juni 2017

20 POSITIONEN – GEDOK Künstlerinnen in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing

Die Ausstellung eröffnet am 29. Juni 2017 um 19 Uhr. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr.
Ausstellung ist zu sehen Juni 2017 bis Juni 2018

20 POSITIONEN heißt die Ausstellung in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Seit über 30 Jahren zeigen hier GEDOK-Künstlerinnen ein Jahr lang ihre Arbeiten. Die aktuelle politische Lage – der Krieg in Syrien, die Angst vor Terroranschlägen des sogenannten Islamischen Staates und das Elend der Flüchtlinge – waren in diesem Jahr häufiger Thema auf Fotografien und Bildern.

So finden sich in den Collagen von Petra Maria Kammerer Auszüge aus Artikeln über den Syrienkrieg, sowie eigene Texte und Zeichnungen.

„Endstation Sehnsucht“ ist der Titel der großformatigen Fotografie von Brigitta Lankowitz. Sie zeigt sehr drastisch, dass für viele Flüchtlinge der Weg nach Europa nicht selten im Mittelmeer zu Ende ist oder aber in einem luftdicht verschlossenen Lastwagen an der österreichischen Grenze.

  Die auf den ersten Blick fröhlich und heiter anmutenden Acryl-Malereien von Penelope Richardson entpuppen sich bei näherem Hinsehen als eine  Serie von fünf  neonfarbigen Bildern, die sich mit den Anschlägen in Europa auseinandersetzen. „Lone Wolf“ und „Keine Angst Süße“ nennt die Künstlerin ihre Arbeiten.

Auch Elis Hoymanns Thema ist der Krieg. Ein Krieg allerdings, der vor 78 Jahren begann. Die Bunkerarchitektur auf ihren drei Fotografien stammt aus dem zweiten Weltkrieg. Es sind Anlagen, die der Nachwelt erhalten geblieben sind. Sie werden heute als Behausung für Pferde, Schafe und Ziegen genutzt und demonstrieren, dass selbst die schlimmsten Katastrophen irgendwann Geschichte geworden sind.

Phoebe Leschs Arbeit „Der Wächter“ bezieht sich zwar nicht unmittelbar auf aktuelle politische Ereignisse, provoziert aber spontan ebenfalls Assoziationen die an Krieg oder wenigsten Militär erinnern. Ihr monochromes, in gedämpftem Grün gehaltenes Bild, wirkt wie die abstrahierte Version einer Uniform. Ein Soldat vielleicht oder ein Mitglied einer geheimen Sekte. Die Künstlerin schreibt dazu: „Es ist das Portrait von Jemandem, mit dem ich in Rom befreundet war; ein düsterer, undurchsichtiger, faszinierender Mensch. … Seine Erscheinung hatte etwas Esoterisches, als wäre es seine Aufgabe, diese Welt mit der anderen zu verbinden. ‚Sympathy for the Devil’, das ist er.“

Die dreidimensionale Installation von Eva Kollmar, bestehend aus Leinwänden mit  je 33 langen Schuhlöffeln verweist auf eine große aber oftmals vergebliche Anstrengung, die Gewalttätigkeit der Menschheit mit den Mitteln einer übernationalen Rechtsordnung zu bändigen. Diese heute manchmal fast utopisch anmutenden Paragraphen der ‚Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte’ hat die Künstlerin handschriftlich auf das trivial anmutende Material übertragen, als wolle sie der Utopie „in die Schuhe helfen“. Es macht nachdenklich, wenn man liest, was im Jahre 1948 von den Vereinten Nationen formuliert wurde.

  Weitere Arbeiten der Ausstellung behandeln Themen, die sich nicht unmittelbar mit den von Menschen verursachten Katastrophen beschäftigen. Ohnehin ist „Kunst per se politisch, weil sie frei ist“ schreibt Heidrun Eskens in ihrem Statement zu ihren Bildern in „Rot-Blau-Orange“.

Adidal Abou-Chamat zeigt in ihrer Fotoserie „dreaming of“ eine Tänzerin im schwarzen Niqab, die Positionen des klassischen europäischen Balletts einübt und verweist damit auf kulturelle Gegensetze und die damit verbundenen Vorurteile.

Die Fotos der Wienerin Christiane Spatt entstanden während ihrer Zeit im Internationalen Künstlerhaus Villa Waldberta in der Nähe von München. Sie könnten auch in den Räumen der Akademie aufgenommen worden sein, in denen sie nun gezeigt werden.

Susanne Wagner präsentiert eine Serie von Kostümbildern, denen Sprichwörter zu Grunde liegen wie: „Auf großem Fuß leben“ oder Rollenspiele wie „Mönch sein“.

Ulrike Prusseit schließlich begibt sich auf Spurensuche in der geheimnissvollen inneren Landschaft des „Selbst“. „Von außen unsichtbar findet sie dort Anlagen die einerseits Orientierung geben, andererseits Abgründe aufzeigen… spürt sie einzelnen Facetten der menschlichen Persönlichkeit nach.“

Abgründig und ein wenig unheimlich sind auch die Arbeiten von Silke Bachmann und Claudia Maria Luenig. Auch Bachmann beschäftigt sich mit Untergründigem und bedient sich hierzu der Gestalten von im Verborgenen lebenden tierischen Lebensformen, wie Nacktmullen oder Maulwürfen, die eine chimärenhafte Verschmelzung mit dem Menschen einzugehen scheinen.

Luenig rückt in ihren Collagen der menschlichen Körperlichkeit auf den Leib und macht „Leibhaftiges“ mit Zeichnung, Schrift und Stickerei sichtbar. In ihren „Leibhäusern“ verarbeitet sie eigene Erfahrungen mit Krankheit und Schmerz.

Mit Mullbinden sind die dreiteiligen Eisenobjekte von Anja Callham bandagiert, die in ihrer Installation über Grenzen und Oberflächen nachdenkt. Ein berührender Kontrast zwischen Härte und Verletzlichkeit.

„Vom Standpunkt der Malerin ausgehend arbeite ich auf unterschiedlichen künstlerischen Gebieten der Malerei mit unterschiedlichen Techniken. Der Ausgangspunkt dabei ist für mich die leuchtende Farbe. Ich reagiere meist direkt auf die Situation, in der ich mich befinde und entscheide dann über Form und Farbgebung. Ich trage die Farben auf die weiße Leinwand so auf, wie sie aus der Tube kommen oder wie ich sie auf der Palette gemischt habe, ohne jede trübende Beimischung von Schwarz oder weiß – fast in Aquarelltechnik“ schreibt Annegret Bleisteiner in dem Statement zu ihren emotional aufgeladenen, leuchtkräftigen Bildern.

Farbe und Form sind auch die wesentlichen Merkmale der beeindruckenden Textilobjekte von Christine Altona, die meist ohne Entwurf oder Skizze am Hochwebstuhl entstehen.

Margret Kube interessiert sich in ihren Bildern ebenfalls für das Zusammenspiel der Farben und die unterschiedlichen Wirkungen die sich daraus ergeben, während Ursula Steglich-Schaupp neben der Farbe zeichnerische Elemente und auch Schrift in ihre Bilder integriert. In ihren großflächigen Übermalungen oder in den in dieser Ausstellung gezeigten kleineren Arbeiten erprobt sie unterschiedliche Techniken, Farbträger und Malgründe.

In eine andere Welt entführen die stilisierten Gartenlandschaften von Anne Pincus. Ölmalerei, die aussieht als wäre sie  am Computer entstanden. Eine Art ‚Virtual Reality’ mit meditativem Charakter, die einlädt sich treiben zu lassen, umherzuwandern in einer Natur, die absolut künstlich wirkt.

Die teils analog teils am PC gestalteten Bilder von Inge Kurtz befassen sich mit der durch Digitalisierung verursachten Veränderung unserer Welt. Sie wagen einen Ausblick auf ‚Modern Times’ in denen nicht klar ist ob die Abrichtung des Menschen hin zur Maschinenhaftigkeit oder die Vermenschlichung der Maschinen neue hybride Daseinsformen kreiert hat. Inmitten von Robots und Hubots geraten traditionelle Gefühlslagen und bislang sicher geglaubte Realitäten ins Wanken. Was ist wirklich, was fiktiv? Wird „natürliche“ Intelligenz eine seltene Resource? „Stretch your mind“.

PRESSETEXT: Inge Kurtz

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